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geglaubt. Durch Berücksichtigung auch derjenigen Literatur, die dem Fachmathematiker ferner liegt, hoffe ich auch diesem noch einiges zu bieten, auf das seine Aufmerksamkeit bisher vielleicht nicht gerade gelenkt wurde und das ihm doch interessieren möchte. Insbesondere dürften aber angehende Mathematiker hier eine bequeme Möglichkeit finden, sich auch bibliographisch über die, wenn ich so sagen darf, „schöngeistiges mathematische Literatur zu unterrichten, auf die hingewiesen zu werden, sie in ihrem offiziellen Bildungsgang naturgemäß wenig Gelegenheit haben, und möchten somit aus diesem Buch die Anregung zu weiterer Lektüre schöpfen. Dieser Umstand bestimmte mich auch, die Titel von Vorträgen usw. möglichst überall genau anzugeben, auch dort, wo das eigentliche Thema der betreffenden Schrift mit dem daraus entnommenen Citat nur in ganz losem Zusammenhang stand und wo ich daher in! meinen ursprünglichen Aufzeichnungen den Titel bisweilen ganz fortgelassen hatte. Schließlich habe ich mir noch die Aufgabe gestellt, solche Worte, die für die Fach- oder selbst Laienwelt als geflügelte gelten dürfen und ihrem Inhalte nach hierher gehören, aufzunehmen, jedoch ohne daß diesen etwa eine gesonderte oder gar hervorragende Stelle zugewiesen wäre; ihre Einreihung unter andere Citate war oft nicht ohne gewissen Zwang möglich, so daß einige von ihnen, wenn eben nicht ŠTEA ATEQÓvta, besser fortgeblieben wären. Jedoch schien mir die Aufnahme solcher Worte um so wünschenswerter, als die Untugend, falsch zu citieren, bekanntlich nicht bloß eine Spezialität der Tagespresse ist, vielmehr auch aus der wissenschaftlichen Literatur mit Leichtigkeit vielfache Belege dafür beigebracht werden könnten, daß nur zu oft nach dem Xenienwort verfahren wird:

Allegire der Erste nur falsch, da schreiben ihm zwanzig

Immer den Irrthum nach, ohne den Text zu besehn. Für diejenigen Leser zumal, welche das Buch auch als Citatenschatz für gelegentliche literarische oder sonstige Zwecke zu benutzen gedenken, habe ich ein umfangreiches Register beigegeben, das jedoch, ohne ungebührlich lang zu werden, nicht

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50 ausführlich gestaltet werden konnte, wie dies bei dem heterogenen Inhalt des Buches an sich möglich und manchem vielleicht erwünscht wäre. - Der Begriff Vollständigkeit entbehrt schon bezüglich der sogenannten „geflügelten Worte“ – von den nicht geflügelten natürlich gar nicht zu reden jeder Bedeutung, und ich hoffe daher, man werde mir das Fehlen solcher Worte, die man vielleicht mit Bedauern vermißt, insbesondere auch aus der nichtfachlichen Literatur, umsoweniger zum Vorwurf machen, als ich eben, wie schon oben gesagt, nur die Gelegenheitsfrüchte einer in der Hauptsache ganz unsystematisch betriebenen Lektüre zu bieten mir vorgenommen. 1) Es war auch nicht einmal mein Bestreben, jeden Autor unbedingt gerade mit solchen Aussprüchen auftreten zu lassen, die für seine wissenschaftliche Stellung, seine Denkweise, überhaupt seine ganze Individualität besonders charakteristisch sind; auch wird man in der Zahl der Citate nicht einen Maßstab für die dem betreffenden Autor beigelegte Bedeutung erblicken dürfen, vielmehr waren hier neben persönlichen Liebhabereien vorwiegend mehr zufällige Momente ausschlaggebend und mußten es aus naheliegenden Gründen sein. So knüpft z. B. eine recht große Zahl von Citaten an die Namen Gauss und Jacobi an. Geben nun allerdings auch diese beiden glänzenden Namen an sich hierfür schon eine hinreichende Rechtfertigung, so war dabei für mich doch weiter noch bebestimmend, daß über den ersteren ein größeres biographisches Werk fast 50 Jahre nach seinem Tode immer noch nicht existiert und bezüglich des letzteren, daß wenn auch hier ein derartiges Werk von hervorragendster Seite ganz nahe bevorsteht, infolge der diesjährigen Centenarfeier noch ein besonderes erhöhtes Interesse in Fachkreisen vorausgesetzt werden darf. Prinzipiell ausgeschlossen sind natürlich solche Aussprüche, für die Belege aus der Literatur nicht beigebracht werden können, auch wenn sie an sich hinreichend verbürgt erscheinen. Ich habe mir ferner nicht verhehlt, daß eine solche Sammlung von zum beträchtlichen Teil der modernen Literatur entnommenen Citaten leicht die Gefahr bietet, Anstoß zu erregen, was unter Umständen vielleicht schon durch die Gruppierung von an sich harmlosen Worten geschehen könnte. Mehrere Citate meiner Sammlung sind daher mit Rücksicht auf noch lebende Personen fortgelassen worden. Die Selbst-Kompromittierung — zweifellos eins der elementarsten Menschenrechte habe ich dagegen niemandem, weder Toten noch Lebenden, verwehren zu dürfen geglaubt; der Leser mag entscheiden, welche Worte er als hierher gehörig betrachten will.

1) Natürlich würde ich etwaige Wünsche und Winke aus dem Leserkreise bereitwilligst und mit Dank berücksichtigen, falls eine neue Auflage sich vernotwendigen sollte.

Das einzige ältere Werk, das man mit dem vorliegenden şeinem Charakter nach vergleichen könnte, ist, so viel mir bekannt, das Buch Rebières „Mathématiques et Mathématiciens“ (3ième Édition 1898), jedoch unterscheidet sich dieses von dem meinigen so wesentlich,') daß es mir für meine Zwecke keinerlei irgendwie nennenswerte Dienste leisten konnte: Zunächst wird dort der Stoff nach gewissen, allerdings mehr äußerlichen Grundsätzen angeordnet, indem z. B. in einen ersten Teil „morceaux choisis et pensées“, in einen zweiten „variétés et anecdotes“, in einen dritten „paradoxes et singularités“ usw. verwiesen werden. Sodann fehlt dort jede Angabe der Quelle; dies erschwert eine Kontrolle nicht nur sehr, sondern schließt sie oft geradezu aus und hat den weiteren Nachteil, daß es einem Interessenten recht unbequem gemacht wird, über ein aus dem Zusammenhang gerissenes und daher leicht mehr .oder minder beeinträchtigtes Wort an der Originalstelle im Zusammenhang genauere Orientierung zu suchen. Für manche der Rebièreschen Citate dürften Belegstellen aus der Literatur überhaupt nicht beizubringen sein, und ich habe daher auch nur ein einziges Citat von dort übernommen (s. S. 437), dessen Aufnahme ich möglicherweise auch schon gezwungen sein werde, mit dem „se non è vero, è ben trovato“ zu motivieren. Im Gegensatz zu dem Rebièreschen Buch ist bei mir überall die betreffende Belegstelle möglichst genau angegeben, bei mehrfach abgedruckten Sachen oft sogar mehrere Stellen, obwohl ich eine Verpflichtung in letzterer Hinsicht allerdings nicht anerkannt habe. Alle von mir angegebenen Stellen sind auch von mir selbst eingesehen, Ausnahmen hiervon sind extra bemerkt. Für einige Aussprüche, für welche mehrere oder vielfache Belege aus der Literatur gegeben werden könnten, eignete sich aus äußeren Gründen die älteste der mir bekannten Stellen für meine Zwecke weniger und mußte daher einer neueren weichen; jedoch ist dann tunlichst auf solche ältere Stellen verwiesen (s. z. B. S. 228). Im Gegensatz zu Rebière, der alle Citate nur in französischer Sprache wiedergibt, habe ich die Originalsprache stets 1) beibehalten und auf hinzugefügte Übersetzungen, so weit mir dies irgend angebracht erschien, verzichtet. Dies letztere gilt natürlich zunächst von den französischen Citaten, die fast so zahlreich wie die deutschen sein dürften, sodann aber auch von den weniger häufigen englischen, italienischen und lateinischen. Den vereinzelten Citaten aus einer anderen Sprache habe ich eine deutsche Übersetzung beigegeben, falls nicht meine Quelle mir die Reproduktion einer Übersetzung in eine andere der oben genannten Sprachen gestattete. In allen Citaten sind Wortlaut und Schreibweise der Belegstellen getreu beibehalten, und zwar normierte bei solchen Sachen, die an mehreren Stellen erschienen sind und dort fast regelmäßig in Kleinigkeiten divergieren, eine der angegebenen Belegstellen, jedoch nicht immer gerade die an erster Stelle angeführte. Die buchstabengetreue Reproduktion eines Citats, z. B. einer Briefstelle, scheint mir an sich das einzig richtige zu sein, wobei ich mir gestatte, auf die Worte zu verweisen, mit welchen die Herren Stäckel und Schmidt dieses bei Herausgabe des Briefwechsels Gauss-W. Bolyai von ihnen beobachtete Verfahren rechtfertigen, wo 1. c. p. 172 mit Recht bemerkt wird, daß anderenfalls „das Charakteristische zerstört und dem Biographen wie dem Sprachforscher wichtiges Material entzogen wird, ganz abgesehen davon, daß auch die neue Rechtschreibung der Gefahr des Veraltens ausgesetzt ist“, welch' letzteres Moment mir um so berücksichtigenswerter zu sein scheint, als in Deutschland schon seit geraumer Zeit bei dem beständigen Fluß der sogenannten „Rechtschreibung“ und dem dadurch bedingten Antagonismus zwischen den jeweiligen amtlichen Vorschriften und den selbst in Amtsstuben gebräuchlichen Spezial-,,Orthographien“ von einer „Rechtschreibung“ überhaupt kaum noch die Rede sein kann. Allerdings hat die Befolgung dieses Prinzips der getreuen Wiedergabe in meinem Falle einige Ungleichmäßigkeiten zur Folge, hierfür nur ein Beispiel: Während ich also einen Brief Gauss' an Bolyai dem oben angegebenen Grundsatze der Herausgeber zufolge in der Original-Schreibweise zu reproduzieren in der Lage bin, ebenso übrigens auch Briefe Gauss' an H. C. Schumacher, bin ich gezwungen, einen Brief des „Princeps mathematicorum“ an Bessel in einer der vor 25 Jahren üblichen Rechtschreibung einigermaßen assimilierten und einen solchen an Olbers in einer noch neueren, natürlich auch „Orthographie“ genannten Schreibt weise wiederzugeben.?) Einige offenbare Versehen oder Druckfehler

1) Noch weit mehr gilt dies von Maupin, „Opinions et curiosités touchant la Mathématique“, über dessen Anlage ich allerdings nur nach seinem ersten Teil urteile, während ein wofern ich nicht irre kürzlich erschienener zweiter Teil mir noch unbekannt ist, ebenso wie auch das Buch Rebière's „Pages choisies des Savants modernes“,

1) Eine Ausnahme bilden allerdings begreiflicherweise ein paar russische und ein hebräisches Citat, bei denen ich auch ohne meine völlige Unkenntnis der betreffenden Sprachen auf eine Reproduktion der Originale verzichtet haben würde, da diese für die Mehrzahl meiner Leser doch wahrscheinlich wertlos gewesen wären, zumal die betreffenden Citate nicht für sonderlich wichtig angesehen werden dürften.

1) Zu welchen Ungereimtheiten dies führt, dafür nur einige Beispiele: Während Gauss in seinen Briefen an Bessel noch „Coefficient“ schreiben darf, darf er in seinem Verkehr mit Olbers nur mit „Koefficienten“ operieren; wird eine andere Gauss’sche Korrespondenz, etwa die bisher nur auszugsweise publizierte mit Encke, einen Herausgeber gleich modernisierender Tendenzen finden, so werden dort sicherlich nur noch „Koeffizienten“ gestattet sein und da möglicherweise die wandelbaren Neigungen unserer amtlichen Rechtschreibung auch von dem Gesetz beherrscht werden: „On revient toujours à son premier amour“, so dürften eventuell spätere Editionen Gauss'scher Briefe wieder die umgekehrte Entwickelung zu der Original-Schreibweise zurück nehmen. Übrigens

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